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Vater Martin

Einmal in der Weihnachtszeit

stand Vater Martin traurig an seinem Fenster.
Seine Frau war vor vielen Jahren gestorben. Seine Kinder waren längst groß und fortgezogen. Sie hatten ihre eigenen Familien und feierten zu Hause mit ihren Kindern. So war Vater Martin an diesem Abend ganz alleine.

Er ging manchmal raus und spürte, wie die ganze Straße nach Gebratenem und Gebackenem roch. Und er erinnerte sich an die guten alten Zeiten, wo seine Kinder noch klein waren und sie immer zusammen feierten... Heute saß er aber alleine in seinem Schaukelstuhl. In seinen Händen hielt er das Buch mit dem braunen Einband. Er konnte zwar kaum lesen, aber die Geschichte aus dem Buch hat er so oft in seinem Leben gehört, dass er sie auswendig konnte.

Er träumte "was wäre wenn Jesus zu mir gekommen wäre?!"...

Mit diesem schönen Gedanken ist er an diesem Abend eingeschlafen...
Doch nach kurze Zeit wurde er von einer Stimme geweckt, die rufte ihn bei Namen " Vater Martin"... "du hast dir gewünscht, dass ich dich besuche! Achte morgen auf die Straße. Denn morgen komme ich!"...

Vater Martin war überzeugt, dass Jesus hier war und mit ihm gesprochen hatte...
So nahm er sich vor, morgen, ganz schön auf die Straße aufpassen, damit er den wichtigen Gast - Jesus - nicht übersieht.

Nach diesem Ereignis war er so aufgeregt, dass er in dieser Nacht nicht mehr ins Bett ging. Er saß in seinem Lehnstuhl, schaute aus dem Fenster und beobachtete aufmerksam die ersten Leute, die am frühen Morgen an seinem Haus vorüberhasteten.
Als die Sonne aufging, saß Vater Martin immer noch dort und wartete, aber niemand kam...

So wartete Vater Martin lange Zeit. Endlich tauchte am Ende der kleinen Gasse ein Mann auf.
"Ist das Jesus?" - überlegte der alte Mann laut...
Nein, das war Iwan, der Straßenkehrer. Er arbeitete in früher Stunde und war schon ganz erfroren.
Vater Martin bat ihn herein und gab ihm eine Tasse Tee. Der alte Iwan, war sehr dankbar für diese Gastfreundschaft und über sein einziges Weihnachtsgeschenk - die heiße Tasse Tee. Er erinnerte sich an Weihnachten in seiner Kindheit und hat dem alten Vater Martin das "Besenkehrerlied" vorgesungen. Dagegen erzählte Vater Martin dem alten Straßenkehrer, was sich in der Nacht zugetragen hat. Danach bedankte sich der Iwan für den Tee und ging fort.

Kurze Zeit später tauchte eine junge Frau mit einem Kind auf dem Arm auf. Vater Martin fragte sie ob sie nun auch hereinkommen will. Die Frau war sichtlich arm und ihr Kind hatte keine Schuhe, weil sie kein Geld dafür hatte. Der alte Vater Martin hat beiden zu Essen gegeben und schenkte dem kleinen Kind schöne selbst geschusterte Schuhe. Die Frau bedankte sich und ging fort.

Vater Martin wartete immer noch auf Jesus. Und bekam es schon mit der Angst zu tun, dass er ihn vielleicht übersehen hätte. Er öffnete die Tür und ging nach draußen. Alle vorbeigehende Menschen - Erwachsene und Kinder - begrüßten ihn und wünschten ihm ein schönes Fest. Vater Martin grüßte zurück...
Leider war Jesus nicht darunter...

"Es war sicher nur ein Traum. Und ich hatte mich schon so darauf gefreut, dass Jesus zu mir kommt"

Von diesem Gedanke, stiegen dem alten Mann Tränen in die Augen. Es war dunkel geworden. Da war ihm plötzlich so, als wäre er nicht mehr allein. Gingen da nicht Menschen durch seine Werkstatt?
Vater Martin wischte sich die Tränen aus den Augen. Die Leute hatte er doch alle gesehen: der alte Straßenkehrer, die junge Frau mit dem Kind auf dem Arm, und all die Leute, die er heute gesehen und mit denen er gesprochen hatte. Alle standen plötzlich vor ihm...

"Vater Martin" - der alte Schumacher konnte es nicht fassen, das war dieselbe Stimme wie letzte Nacht. Ja, das muß Jesus Stimme sein.

"Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben.
Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben.
Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.
Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet...

Wo immer du heute einem Menschen geholfen hast, da hast du mir geholfen!"

Vater Martin konnte es nicht wahr haben - "Jesus hat mich tatsächlich besucht!"

Da saß der alte Vater Martin in seinem Lehnstuhl und lächelte. Er lächelte und seine Augen zwinkerten fröhlich hinter der kleinen runden Nickelbrille.

zusammengefasst von Vera Widmer

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